Leuchtturm für die slowakische Wirtschaft? Automobilhersteller bald wieder aktiv

Die slowakische Wirtschaft ist von der Automobilindustrie abhängig wie nur wenige Länder der Welt. Kein anderes Land produziert so viele Fahrzeuge pro Kopf wie die Slowakei mit ihren 5,5 Millionen Einwohnern: in 2018 waren es 198 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner. Der slowakische Automotivesektor erwirtschaftet insgesamt ungefähr 13% des Bruttoinlandsproduktes des Landes.

Wenn die Automobilhersteller mit vollem Einsatz produzieren, boomt auch die Wirtschaft der Slowakei. Entsprechend negativ sind nun aber auch die Auswirkungen der Coronakrise.  Experten haben bereits lange darauf aufmerksam gemacht, dass die Abhängigkeit von einem einzigen Sektor gefährlich sein kann. Die Coronakrise bestätigt dies nun.

Nach den Schutzmaßnahmen der Regierung von Mitte März entschieden die vier Automobilhersteller mit Standorten in der Slowakei, ihre Produktion einzustellen. Die Hallen von Volkswagen (Bratislava), PSA Peugeot Citroën (Trnava), Kia Motors (Žilina) und Jaguar Land Rover (Nitra) wurden eine nach dem anderen geschlossen und die Mitarbeiter blieben zu Hause.

Dies erfolgte nicht als Folge der Anordnung der Regierung, die die Mehrheit der Retail-Geschäfte geschlossen hatte, sondern (so zumindest offiziell) als Präventivmaßnahme zwecks Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter. Die Infizierung eines einzigen Mitarbeiters, der tagsüber in der Halle in Kontakt mit vielen Kollegen kommt, könnte eine langfristige Quarantäne für alle betroffenen Mitarbeiter bedeuten und so unabsehbare Folgen für den Hersteller haben.

Aufgrund der derzeitigen Situation in Europa rechnete man eigentlich mit der Schließung der Produktion für wenigstens einige weitere Wochen. Entsprechend überraschend kommt die neuste Nachricht von Kia.

Die Koreaner entschieden, die Produktion unter strengen hygienischen Schutzmaßnahmen wiederaufzunehmen und rufen ihre Mitarbeiter ab Montag, den 6. April zurück in die Produktion. Bis Ostern soll die Produktion wie gewöhnlich in drei Schichten erfolgen, nach den Feiertagen (vorläufig bis Ende April) dann wieder eingeschränkt, immerhin aber in zwei Schichten (vor- und nachmittags).

Ob der Neubeginn der Produktion in Žilina tatsächlich ein positives Signal für die slowakische Wirtschaft ist und auch die verbliebenen Hersteller sich zu diesem Schritt entschlie0en, werden die nächsten Tage zeigen.

JUDr. Valter Pieger