Ihre Rechte als Anleger in Tschechien

Suchen Sie auch aufgrund der derzeit niedrigen Zinsen für klassische Anlagen nach neuen Möglichkeiten der Geldanlage? Der Kapitalmarkt erscheint hier als Alternative verführerisch, doch mitunter auch undurchsichtig und risikoreich. Welche Rechte Sie als Anleger haben und welche Pflichten Ihnen gegenüber die Händler, sei im Folgenden dargestellt.

Was ist der Kapitalmarkt?

Im Grunde ist der Kapitalmarkt ein Markt für mittel- und langfristige Kapitalbeschaffung. Häufig wird er auch als Wertpapiermarkt bezeichnet, für beispielsweise Aktien, aber auch festverzinsliche Wertpapiere, wie Anleihen. Wertpapiere mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr zählen dagegen zum sogenannten Geldmarkt.

Wer schützt die Anleger und wie?

Bereits seit 2001 ist die Prager Börse Mitglied der Föderation der europäischen Wertpapierbörsen. In Tschechien ist die Wertpapierkomission, Komise pro cenné papíry, für die Aufsicht der Börse und des Wertpapierhandels verantwortlich.

Geschützt werden v.a. unerfahrene Anleger. Ob ein Anleger als unerfahren zu gelten hat, entscheidet ein Finanzdienstleister aufgrund der Kenntnisse, Erfahrungen, Anlageziele und finanziellen Verhältnisse des Anlegers. Die so erfolgte Einordnung muss schriftlich dokumentiert und vom Anleger unterschrieben werden.

Welche Pflichten hat der Händler?

Ist der Anleger als unerfahren qualifiziert worden, so obliegen dem Wertpapierhändler umfangreiche Informationspflichten frühzeitig vor Vertragsschluss, um dem Anleger eine fundierte Anlageentscheidung zu ermöglichen.

So muss er sowohl über den Emittenten, als auch über sich selbst genaue Angaben machen. Daneben müssen grundsätzliche Informationen über die Anlage, die betroffenen Investitionsinstrumente, mögliche Risiken und die Sicherung dagegen gemacht werden. Deutlich muss auch über den Gesamtpreis inklusive Provisionen, Steuern und anderer Kosten, den Inhalt der Vertragsbedingungen und die Regeln für die Weisungsdurchführung informiert werden.

Der Händler hat den Kunden zudem unverzüglich über durchgeführte Weisungen, vor allem Käufe und Verkäufe, zu unterrichten. Dabei sind alle Einzelheiten, wie Datum, Zeit und Ort der Durchführung, Menge oder Einheitspreis anzugeben.

Mindestens einmal pro Jahr muss der Händler den Anleger über den aktuellen Stand seiner Anlagen informieren.

Informationen haben schriftlich oder elektronisch zu erfolgen. Zu beachten ist, dass das EU-Recht verlangt, dass eine klare und verständliche Sprache genutzt wird. Fachjargon der Finanzbranche soll dabei vermieden werden.

Wie kommt der Anleger aus einem Vertrag wieder raus?

Wurde der Vertrag im Wege eines Haustürgeschäfts, am Telefon oder per Internet abgeschlossen, kann der Verbraucher auch bei Finanzdienstleistungsverträgen binnen 14 Tagen ohne Angaben von Gründen den Vertrag widerrufen.

Daneben besteht eine besondere Widerrufsfrist von 14 Tagen ab dem Zeitpunkt der Mitteilung, sofern die oben beschriebenen Pflichtinformationen erst nach Vertragsschluss mitgeteilt worden sind.

Sollte der Händler irreführende oder falsche Angaben gemacht haben, kann innerhalb von drei Monaten ab dem Tag der Kenntniserlangung von der Unrichtigkeit der Rücktritt erklärt werden.

Über alle diese Rechte muss vor Vertragsabschluss informiert werden. Tut dies der Finanzdienstleister nicht oder belehrt er fehlerhaft, verlängert sich die Widerrufsfrist um ein Jahr. Innerhalb dieses Jahres kann die Belehrung aber nachgeholt werden.

Nach Geltendmachung seiner Rechte erhält der Anleger alles zurück, was er bereits bezahlt hat. Selbst für bereits erbrachte Dienstleistungen des Händlers muss der Anleger nicht aufkommen.

Abschließender Ratschlag

Trotz vielfacher Rechte sollten Sie sich stets Gedanken darüber machen, welche Ziele Sie mit der Wertpapieranlage verfolgen und ob diese mit ihren finanziellen Möglichkeiten und Bedürfnissen im Einklang stehen. Vor jeder Investition sollten Sie Ihre Anlagestrategie kritisch hinterfragen und sich eingehend über den Händler, den Emittenten und die Kapitalanlage selbst informieren.

Dr. jur. Ernst Giese / Margaretha Pirzer

03.09.2015
by Dr. jur. Ernst Giese / Margaretha Pirzer
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