Coronakrise: Kurzarbeit als Waffe gegen Arbeitslosigkeit in der Slowakei?

In den Zeiten der Coronakrise ist es nicht einfach, gute Nachrichten zu finden. Eine weitere negative Vorhersage brachte die Prognose der slowakischen Nationalbank. Die Finanzanalytiker arbeiten derzeit mit drei Szenarios der weiteren Entwicklung der slowakischen Wirtschaft. Man rechnet mit einer Rezession in Höhe von ein, drei oder sogar zehn Prozent.

Der Rückwärtsgang der Wirtschaft wird einen unmittelbaren Einfluss auf die Beschäftigung der Slowaken haben. Nach der Prognose sind zehntausende von Arbeitsplätzen bedroht mindestens 70, womöglich aber bis zu 135 Tausend sollen angeblich in den kommenden Monaten ihren Job verlieren.

Die Arbeitgeber klagen bereits jahrelang über das eher behäbige slowakische Arbeitsrecht und fordern gesetzliche Änderungen, die mehr Flexibilität für Arbeitgeber aber auch Arbeitnehmer bringen sollte.

In der Vor-Krisenzeit gab es in der Slowakei einen Mangel an qualifizierten Fachkräften. Die niedrige Arbeitslosenquote zwang die Firmen häufig, Ausländer zu engagieren. Nun stehen die Arbeitgeber vor einer schwierigen Frage. Soll man die Fachleute jetzt entlassen? Was, wenn die Wirtschaft zum Ende des Jahres wieder boomt? Dann gibt es vielleicht einen noch höheren Bedarf an Fachkräften und die Kosten für die Ausbildung von neuen Mitarbeitern sind nicht unbeträchtlich…

Große Arbeitgeber, darunter auch führende Firmen aus der Automobilindustrie kommen mit verschiedenen Initiativen. Dabei wird vor allem „Kurzarbeit“ und Deutschland als Vorbild genannt. Zwar bietet das slowakische Arbeitsrecht einige ähnliche Instrumente, diese blieben aber seit ihrer Einführung u.a. auch wegen hoher bürokratischen Anforderungen unattraktiv und wurden selten benutzt.

Diesmal haben die Arbeitgeber beim Lobbying bessere Karten – das deutsche Konzept der Kurzarbeit wäre ein Win-Win-Deal für alle Beteiligten – Arbeitgeber, Arbeitnehmer und jetzt auch für den Staat. Arbeitslose sind für die Staatskasse immer noch teurer als „kurzarbeitende“ Arbeitnehmer. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Staat an einem flexiblen Arbeitsrecht Interesse hat.

JUDr. Valter Pieger

27.03.2020
by JUDr. Valter Pieger